Mehr zur Methode

In der Feldenkrais-Methode geht es um das Erlernen der effizienten Nutzung des eigenen Körpers. Das Prinzip: der Körper wird mit minimaler Muskelarbeit vom Skelett getragen. Das Erlernen optimaler Haltungen und Bewegungsabläufe geschieht durch die Entwicklung der Körperbewusstheit sowie durch das Training des motorisch-sensorischen Nervensystems, das den Hauptteil unserer Haltung und Bewegungsabläufe steuert. Deshalb wird die Methode als organische Lernmethode bezeichnet. Da das organische Lernen durch bestimmte Bewegungskombinationen stattfindet, nennt man die Methode auch: “Bewusstheit durch Bewegung” (Awareness Through Movement).

Zwei Lernformen werden von den Feldenkrais-LehrerInnen (Practitioners) angeboten:

  • Lektionen für Gruppen, sog. ATM:s (ATM =  Awareness Through Movement)
    Die TeilnehmerInnen führen die Bewegungen nach der verbalen Anleitung des/der Feldenkrais-LehrerIn selbst durch. Dauer: 45-60 Min. Es gibt über tausend dokumentierte Lektionen.
  • Einzelbehandlungen, sog. FI:s (FI = Functional Integration)
    Die Klientin liegt (meistens) auf einer Liege und die Feldenkrais-Lehrerin bewegt sanft und behutsam verschiedene Körperteile. Dabei entsteht eine non-verbale Kommunikation mit dem Nervensystem, bei dem unbewusste Gewohnheiten und Spannungen aufgelöst werden können. Dauer: 50 bis 80 Min.

Der Mensch hat eigentlich zwei Bewusstheiten: eine gedankliche/intellektuelle Bewusstheit (der Geist) und eine Körperbewusstheit (Körper), die von uns im Alltag oft nicht wahrgenommen wird. Der Körper hat eine eigene Bewusstheit, die durch die Feldenkrais-Methode stimuliert werden kann auf einer Ebene, die der alltäglichen Wahrnehmung meistens verschlossen ist. Die Feldenkrais-Methode wirkt also in erster Linie über die angeborene Körperintelligenz, also auf einer neurologisch-organischen Ebene, führt aber letztendlich auch zu einer bewussteren Körperwahrnehmung auf der geistige Ebene.

Im Alltag zwingen wir unserem Körper Haltungsmuster auf und belasten ihn auf unnatürliche Weise. Die Arbeit in der Feldenkrais-Methode macht dem Körper Vorschläge, Spielräume wieder zu entdecken. Auf Manipulation reagiert der Körper eher mit Trotz, auf sanfte Angebote mit Wiedersehensfreude und Akzeptanz.

Der motorische Cortex liegt direkt neben dem Neo-Cortex, in dem unser Denken und unsere Handlungen entstehen. Das bedeutet, dass neuro-motorische Veränderungen im Motor-Cortex mit der Zeit den Neo-Cortex beeinflussen können. Die durch wiederholte Feldenkrais-Übungen erlernte Bewegungsfreiheit, Stabilität und Effizienz wird sich also auf längere Sicht im täglichen Denken und Handeln wieder finden. Ein Aspekt hierfür wäre, wie behutsam wir mit uns selbst umgehen. Ein anderer, wie wir in Stresssituationen reagieren.

Es gibt drei wichtige Prinzipien bei der Ausübung der Feldenkrais-Methode:

  • Nie an die Grenze zu gehen. Wenn bei Bewegungen Widerstand entsteht, wehrt sich der Körper gegen die aufgezwungene Position – man könnte sogar sagen, dass das System mit Trotz reagiert. Wenn die vorgeschlagene Bewegungen aber innerhalb der Widerstandsgrenzen durchgeführt werden, erlaubt es sich das System viel eher, die vorgeschlagene Position/Bewegung anzunehmen und zu erlernen.
  • Kompression übernimmt die Arbeit der Muskulatur. Dies überzeugt dem Muskel eher sich zu entspannen und zu seiner ursprüngliche Länge zurück zu kehren als es z.B. beim Dehnen der Falls ist.
  • Zusammenspiel zwischen Agonisten und Antagonisten. Jede Muskelstruktur (Agonist) hat ein mit ihr zusammen wirkendes Gegenüber, einen Antagonisten. Beide halten den Körper bzw. das entsprechende Körperteil in der Balance. Ein Beispiel: wenn die Bauchmuskulatur sich zusammenzieht, muss sich die Rückenmuskulatur verlängern. Nach diesem Prinzip des Zusammenspiels von Agonist und Antagonist kann man durch bestimmte Bewegungsabläufe beide sanft überzeugen, ihre ursprüngliche Länge einzunehmen. Die Voraussetzung hierfür ist, nie über die Grenze zu gehen.

Trotz dieser relativ einfachen Bausteine ist die Komplexität der Feldenkrais-Methode so groß wie das Gehirn selbst. Nimmt man die unendlichen Unterschiede zwischen einzelnen Individuen hinzu, wird man verstehen, dass die Arbeit mit dieser Methode tausende Verzweigungen hat und dass ein noch tieferes Verständnis immer möglich ist, egal, wie lange man mit der Methode bereits gearbeitet hat.