Feldenkrais - die sanfte Alternative zu Yoga

Die Feldenkrais-Methode: Yoga für Faule?

Die Feldenkrais-Methode ist ein auf neuro-muskulären, sensorischen und biomechanischen Prinzipien basierendes Bewegungstraining, das den motorischen Kortex des Gehirns neu vernetzt. Ziel der über 1000 Bewegungslektionen ist es, Gewohnheiten aufzudecken, sich ihrer bewusst zu werden und sie zum Positiven zu verändern. Das Ergebnis ist eine bessere Körperhaltung, ein vielseitigeres Bewegungsspektrum und weniger Schmerzen und Verschleiß.
 

Als der israelische Physiker, Ingenieur und Judosportler Moshe Feldenkrais Mitte des 20sten Jahrhunderts seine Methode des „Körperlernens” entwickelte, nutzte er die Erkenntnisse der modernen Hirnforschung. Diese zeigt, wie jede Bewegung mit Nervenprozessen im Gehirn zusammenhängt. Diese Verbindungen gilt es wieder herzustellen und zu erweitern.

Seine neurologisch orientierte Lern-Methode bewirkt eine optimalere Organisation des Skeletts und der Muskulatur. Die etwa 1-stündigen Lektionen sind nicht nur ein nachhaltiger Weg zu entspannter Haltung und freier Bewegung sondern auch eine  wohltuende Auszeit, die für viele Kursteilnehmer in stressigen Zeiten eine absolute Priorität geworden ist.

Was ist denn Feldenkrais?

In ein Feldenkrais-Kurs erfährst du, wo du in deiner Beweglichkeit blockiert bist, und wie du allmählich eingefahrene Muster auflösen kannst. Das geschiet durch feinste, bewusst ausgeführte Bewegungsabläufe, die dich und dein Nervensystem neue Haltungs- und Bewegungsvarianten erleben läßt. Dadurch entstehen neue, neuronale Verbindungen im Gehirn die, ähnlich wie beim Instrumente spielen lernen, auch nachhaltig bleiben können, vor allem bei regelmäßigem Tun.

Was ist Feldenkrais
Mit außergewöhnlichen, langsamen Bewegungen werden Muskulatur und Nerven überzeugt, ihre festgefahrenen Spannungen abzugeben, wie z.B. hier im Brustkorb (durch die Drehung), im Schulterblatt (durch die Verlängerung der Achselhöhle) und in der linken Hüfte (durch die Erweiterung der linken Leiste).

Ist die Feldenkrais-Methode eine Therapieform?

Viele Menschen verstehen eine Feldenkraisstunde deswegen als Therapie oder Behandlung, weil die tiefe Wirkung als erhebliche Verbesserung des Allgemeinzustandes empfunden wird, etwa wie bei der Massage. Der Unterschied: Massage spricht größtenteils nur die Muskulatur an, Feldenkrais schließt das Gehirn mit ein. Auch wenn Massage durch Druck einen Muskel entspannen kann, heißt dies noch lange nicht, dass dabei das Gehirn seine „Anspannungsbefehle” eingestellt hat. Dies wird aber durch die Feldenkraismethode erreicht, direkt und auf Dauer, vor allem wenn man  Feldenkraisübungen regelmäßig macht.

Beispiel: Knieschmerzen und Feldenkrais

Knieschmerzen und Feldenkrais

Stehst und gehst du eher auf den Außenkanten oder Innenkanten deiner Füße? Hast du im Stehen mehr Gewicht auf dem rechten Fuß als auf dem linken? Mehr Gewicht auf den Fersen oder auf den Vorderfüßen?

Nutzen sich deine Schuhe ungleichmäßig ab?

Spannungen, Schmerzen und Verschleißschäden sind häufig die Ergebnisse von Haltungsgewohnheiten und monotonen Bewegungen, die sich über die Jahre immer fester ins Hirn eingravieren. Man empfindet die eigenen Haltungsmuster als „normal“.

Bei ungleichmäßiger Belastung der Fußsohlen werden automatisch die Knie innen schräg belastet. Da das Knie eigentlich für senkrechtes, mittiges Gewichttragen sowie Beugen gebaut ist, kommt es nach vielen Jahren „normaler”, aber nicht unbedingt optimaler Belastung zu Schäden. Man gibt dem Knie die Schuld, obwohl die gesamte Körperorganisation dem Knie die falsche Aufgabe gestellt hat.

In der Feldenkrais-Methode geht es um das Erlernen einer effizienten Nutzung des eigenen Körpers. Wir entwickeln unsere Körperbewusstheit und trainieren dabei das motorisch-sensorische Nervensystem, das den Hauptteil unserer Haltung und Bewegungsabläufe steuert. Deshalb wird die Methode gerne als organische Lernmethode bezeichnet. Da das organische Lernen durch bestimmte Bewegungskombinationen stattfindet, nennt man die Methode auch: „Bewusstheit durch Bewegung“ (Awareness Through Movement, verkürzt: ATM).

Gruppenstunden sog. ATMs = Awareness Through Movement

Feldenkrais Gruppenstunden (ATM)

Die Teilnehmer*innen führen eine Reihe schlau ausgedachter Bewegungen nach der verbalen Anleitung des/der Feldenkrais-Lehrer*in selbst durch. Es gibt über tausend dokumentierte Lektionen mit unterschiedlichen Themen: Füße, Nacken, Brustkorb, Hände sowie Verbindungen aller Bereiche des Körpers.
Dauer: 45-60 Min.

Feldenkrais FI
Einzelsession od. Behandlung, sog. Funktionale Integration (FI)

Funktionale Integration (FI)

Die/der Klient*in liegt auf einer Liege und der/die Feldenkrais-Lehrer*in bewegt sanft und behutsam verschiedene Körperteile mit dem Ziel, dem Nervensystem neue Bewegungsmöglichkeiten zu zeigen. Dabei entsteht eine non-verbale, neurologisch orientierte Kommunikation zwischen Lehrer*in und Klient*in, wobei unbewusste Gewohnheiten und Spannungen aufgelöst werden können.
Dauer: 50 bis 80 Min.

Es gibt drei wichtige Prinzipien bei der Ausübung der Feldenkrais-Methode:

Nie an die Grenze zu gehen. Wenn bei Bewegungen Widerstand entsteht, wehrt sich der Körper oft gegen die aufgezwungene Position – man könnte sogar sagen, dass das System mit Trotz reagiert. Wenn die vorgeschlagenen Bewegungen aber innerhalb der Widerstandsgrenzen durchgeführt werden, erlaubt es sich das Nervensystem viel eher, die vorgeschlagene Position/Bewegung anzunehmen. Man könnte sagen: Es wird, innerhalb des Bereichs des leicht Machbaren, über die ursprünglich möglichen Grenzen vorsichtig „hinweggelockt”.

Kompression übernimmt die Arbeit der Muskulatur. Im Gegensatz zum Dehnen und Stretchen, das den Muskel gegen seine Arbeitsrichtung zur Verlängerung zwingt, wird bei Kompression dem Muskel die Arbeit abgenommen. Dabei entsteht im Gehirn der Eindruck, die bisherige Arbeit wäre überflüßig. Die Signale zum Arbeiten (zum Kontrahieren) werden dabei zum Teil oder gänzlich eingestellt. Der Muskel kann sich entspannen und zu seiner ursprünglichen Länge zurückkehren.

Zusammenspiel zwischen Agonisten und Antagonisten. Jede aktive Muskelstruktur, der Agonist, hat ein mit ihr zusammen wirkendes Gegenüber, einen Antagonisten, wie etwa wenn der Trizeps sich verlängert, damit der Bizeps sich zusammen ziehen kann. Beide Muskelgruppen halten den Körper bzw. das entsprechende Körperteil in der Balance. Wenn wir uns nach vorne beugen möchten, muss sich die Rückenmuskulatur verlängern. Nach diesem Prinzip des Zusammenspiels von Agonist und Antagonist kann man durch bestimmte Bewegungsabläufe beide sanft überzeugen, ihre ursprüngliche Länge einzunehmen. Die Voraussetzung hierfür ist, nie über die Grenze zu gehen.

Eine detaillierte "Landkarte" im Gehirn

Wenn das Gehirn bloß eine grobe, undifferenzierte Landkarte für Bewegungen hat, eine, die etwa nur “Autobahnen” zeigt, werden Bewegungen monoton und belastend. Wenn aber auch “Kreisstraßen, Höhenkurven, Waldwege, Gewässer, Felsen” und “Vegetation” repräsentiert werden, können wir viel besser navigieren. Je mehr Wege uns zur Verfügung stehen, desto größer sind die Möglichkeiten, flexibel ans Ziel zu kommen. Wenn wir diese Analogie auf den Bewegungsapparat übertragen, heisst dies: Je detaillierter die neurologischen Netzwerke im Gehirn gestrickt sind, desto differenzierter (vielfältiger) sind deine Bewegungen.

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