Pia Fridhill
Mein Weg zum Feldenkrais begann eigentlich mit einem Unfall: Als ich 10 Jahre alt war, habe ich bei einem Reitunfall meinen linken Oberschenkel gebrochen. Damals hat man bei Kindern die Bruchstellen einfach neben einander gelegt, überlappend, mit der Erklärung: „Erst wächst es zusammen, und dann wächst es sich aus“. Das war nicht so: Mein linkes Bein war jetzt kürzer als das rechte, was wiederum zu einer Skoliose führte.
Ein anderer, wichtiger Faktor spielte mit: Ich bin nach 6 Wochen im Krankenhausbett weiterhin 12 Wochen auf Krücken gelaufen. Ein 10-jähriges Gehirn reagiert auf solche Veränderungen viel plastischer als bei Erwachsenen, d.h. es lernt sehr schnell, das gebrochene Bein nicht nur zu schützen, sondern auch als „Krücke“ zu identifizieren, als ein gerades, in Gips eingewickeltes Etwas, worauf man sich vorsichtig zu stützen hat während das gesunde Bein einen voran treibt.
Das alles führte zu einer krummen, rollenden und wackelnden Gangart, und weil keine Alternativen gelernt oder trainiert wurden (weder von Physiotherapeuten angeordnet, noch von Orthopäden), verschlimmerte sich mit der Zeit auch meine Skoliose, bis diese bei einer S- Kurve mit 7 cm Seitenverschiebung angekommen war. Da war ich 27 Jahre alt und hatte erheblichen Rückenschmerzen.
Nachdem ich über die folgenden 10 Jahren alles ausprobiert hatte – Kieser-Training, verschiedene Yoga-Arten, Physiotherapie, Krankengymnastik, Kinesiologie, Stretching, Sport, Homöopathie, Akupunktur, Chiropraktik, Osteopathie, Massage sowie eine Reihe von esoterischen Ansätzen – landete ich dann schließlich per Zufall bei der Feldenkraismethode und habe da sofort die Nachhaltigkeit und wissenschaftliche Grundlage erkannt. Die Bewegungsübungen machten körperlich total Sinn und korrespondierten auch sofort mit dem, was ich schon aus dem Jiu-Jitsu kannte. Die Erleichterung, nachdem die durch die Schonhaltung bedingten Spannungen nachgelassen hatten, war umwerfend. Meine Aufrichtung fühlte sich an, als wäre ich fest in den Boden gepflanzt, wie ein Baum, und die Bewegungsfreiheit beim Gehen und Laufen erlebte ich so stark, dass ich drei Tage hinter einander mit Lust und Laune gejoggt bin – viel zu weit, viel zu viel – mit der Folge, dass ich mein Knie zunächst 2 Wochen still halten musste.
Sechs Jahre später absolvierte ich meine Ausbildung zur Feldenkraislehrerin in Vussem (Eifel) und konnte dann erstaunt feststellen, dass meine Skoliose fast weg war. Die Schultern hingen nicht mehr schief, die Rückenschmerzen waren weg, meine Stimme hatte sich in der Zeit durch die Lockerung meines Brustkorbs positiv verändert, und das Joggen im Wald war federleicht im Vergleich zu vorher. Mein Körper fühlte sich mit 43 wesentlich jünger an als mit 25. Wie geölt, frei und stabil, kraftvoll und zugleich entspannt und das, obwohl mein linkes Bein ja eigentlich verkürzt war, oder?
Heute weiß ich, dass der traumatisch bedingte Beinlängenunterschied einen geringeren Einfluss auf die Wirbelsäule hatte, als zuerst angenommen. Vielmehr formte das mit den Krücken antrainierte Bewegungsmuster meine Wirbelsäule zu einer S-Kurve, was über viele Jahre durch die automatisierte Wiederholung schlimmer und schlimmer wurde.
Denn was uns nicht bewusst ist/gemacht wird, wird täglich weiter gemacht, bis der Leidensdruck so groß ist, dass der Körper nicht nur weh tut, sondern auch kaputt geht. Wenn uns Alternativen bewusst werden, wenn wir plötzlich spüren, dass wir „schief“ sind, nur auf einem Fuß stehen oder immer den Kopf zur Seite kippen, ab dann können wir beginnen, uns zu verändern.
Wen meine frühere Karriere als Musikerin intressiert, schaut gerne auf diese Webseite:
www.piafridhill.de


