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Lernen ohne Anstrengung - geht das?

Ist es möglich, leicht und ohne Anstrengung neue Haltungs- und Bewegungsmuster zu erlernen, auch noch im Erwachsenenalter? Die Wirkung der Feldenkraismethode ist nachhaltig, gerade wegen der neurologischen Lern-Prozesse, und zudem anstrengungslos.

Lernen im Gehirn - Die Feldenkraismethode

Alles, was wir können, haben wir irgendwann einmal gelernt. Wer Fahrrad fahren, schwimmen, ein Instrument spielen oder Auto fahren kann, weiß, dass der Anfang ein bisschen knifflig war, wie ein Kind, das den Stift mit der ganzen Faust greift, um dann mühsam, mit der Zunge im Mundwinkel, einen Buchstaben zu malen. Wer für kurze Zeit wegen eines Arm- oder Handbruchs einhändig unterwegs war,  weiß auch, wie schwierig es ist, plötzlich mit der „falschen Hand“ die Zähne putzen zu müssen. In dem Moment wird uns klar, wie viele motorische Aufgaben wir täglich ausführen, für selbstverständlich halten, ohne daran zu denken, wie unglaublich viele synaptische Verbindungen im Gehirn dafür verantwortlich sind, dass es auch klappt. Dieser Automatismus ist eine folge des neurologischen Lernens.

„Man denkt ja nicht mehr darüber nach, wie man Auto fährt, man macht’s eben. Kupplung runter, Schaltgang wechseln, das geht alles automatisch.“

Automatisiert ist auch das Gehen, Bücken, Aufstehen, Strecken, Laufen und alles, was wir im Alltag so tun – zum Glück, denn wenn wir darüber nachdenken müssten, würden wir wahrscheinlich nicht viel anderes machen können. Wenn wir uns aber unsere ungünstigen Haltungs- und Bewegungsmuster nicht bewusst machen, halten sie uns fest im Griff und führen letztendlich zu einem eingeschränkten Leben, in dem wir uns dann schwer tun mit Dingen, die früher kein Problem bereitet haben.

Eine detaillierte Landkarte im Gehirn

Unser Gehirn besteht aus milliarden Neuronen und Synapsen, die alles steuern: Emotionen, Erinnerungen, Reflexe, Bewegungen, unseren Metabolismus und vieles, vieles mehr. Zusammen bilden sie ein neuronales Netzwerk, das sich immer verändert, sich immer neu verknüpft – dies nennen wir Plastizität: die Fähigkeit des Gehirns, sich durch Erfahrungen neu zu organisieren, oder einfacher: neurologisches Lernen.

Probleme des Bewegungsapparats sind in erster Linie eine Folge ungenügender sensomotorischer Organisation. Das bedeutet im Klartext, dass das Gehirn nicht genügend Repräsentation oder synaptische Netzwerke für ein Körperteil oder eine Bewegung aufgebaut hat. Jemand, der z.B. ohne Hände geboren wurde, baut dieselbe Menge an synaptischen Verbindungen für seine Zehen auf wie andere Menschen für ihre Hände. Damit könnte diese Person sogar Bass oder Gitarre spielen. Jemand, der Bauchtanz geübt hat, kann z.B. das Becken beim Gehen besser benutzen, weil das Gerhirn dann Informationen zur 360°-Bewegung der Beckenschaufel besitzt.

Im Video siehst du zwei Neuronen, die einander „spüren” und dann versuchen, sich zu verknüpfen. Genau dies passiert in unserem Gehirn, wenn wir etwas Neues lernen.

Kannst du dir vorstellen, dass sich so etwas auch in deinem Gehirn abspielt? Wenn du zum ersten Mal einen neuen Tanzschritt lernst, oder ein neues Lied am Klavier, oder ein neues Gesellschaftsspiel? Das sind zunächst alles offensichtliche Lernbeispiele – aber was ist mit Lernen, das wir gar nicht mitbekommen? Das, was deine Neuronen „heimlich” verknüpfen, wenn du z.B. einen Körperteil schonst, weil er weh tut, wenn du zum ersten Mal den Namen einer neuen Blume hörst oder den Geschmack von geriebenen Zitronenschalen in einer Sauce wahrnimmst?

Die Feldenkraismethode - unterbewusstes Lernen?

Viele Menschen träumen davon, sich eine neue Sprache während des Schlafens beizubringen, leicht und ohne Anstrengung. Ist es möglich, sich durch unbewusstes Lernen neue Bewegungsmuster anzueignen? Ohne die Anstrengung, die wir mit Instrumente spielen lernen oder Sprachenlernen in Verbindung setzen?

Alle Sinneseindrücke führen zu neuen synaptischen Verbindungen im Gehirn – meist ohne, dass wir es merken. Neuologisches Lernen könnte man auch unbewusstem Lernen nennen, denn das lernen bei  den Feldenkraisübungen geschieht ebenso zum größen Teil im Unterbewusstsein. Wir müssen uns nicht, wie bei Mathe, Sprachen oder Klavier, groß anstrengen – die tieferen Regionen des Gehirns übernehmen einen Großteil der Lernaufgabe und schalten dabei neue, neuronale Verbindungen, ohne dass wir so viel davon mitbekommen.

Das Becken rollt, die Arme bleiben
Deine Wirbelsäule dreht sich dabei in entgegengesetzte Richtungen, langsam und sanft lösen sich dabei die Rippen, und dies verbessert deine Drehfunktion.
Hände auf dem Boden
Das Becken nach vorne kippen, das Steißbein herausstrecken. Dabei die Bauchmuskeln entspannen und die Knie beugen.
Drehen und Seitneigen
Mit einer Hand auf dem Kopf entlang dem Bein streichen - nur so weit es leicht geht. Am Ende der Stunde geht es erstaunlich viel weiter.
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Boosten können wir diesen Prozess, indem wir unser Bewusssein einschalten und aufmerksam „zugucken”, was mit uns während der Stunde passiert. Indem wir nachspüren, was anders ist als sonst. Indem wir darüber nachdenken, warum eine Bewegungsalternative vielleicht optimaler oder einfach anders ist. Indem wir wahrnehmen, wie wir uns fühlen: stabiler, flacher, entspannter, länger. Indem der bewusste Teil des Gehirns mitdenkt, spürt und mitfühlt werden noch stärkere Verbindungen im motorischen Cortex etabliert, die nachhaltig sind.

“Bewusstheit durch Bewegung” nannte Mosche Feldenkrais deshalb seine Methode, die erst sei dem Jahr 2000 wissenschaftlich erforscht wird. Er war, als einer der ersten Neurowissenschaflter der Welt, seiner Zeit weit voraus.